Durchlaufproben (KHP)

sind für viele Pianisten  die interessantesten Proben einer Produktion, weil die szenische Arbeit zum Großteil vorbei ist und das Spielen eines Durchlauf den musikalischen Zusammenhang nach wochenlanger Zersplitterung endlich herstellt.
Ich bin überzeugt, daß zur Bewältigung einer Partie nicht nur das mechanische Absingen der zu singenden Phrasen gehört, sondern die genaue Kenntnis der musikalischen Zusammenhänge innerhalb der ganzen Oper.
Natürlich stellt eine Nummernoper mit abgeschlossenen Teilen andere Anforderungen als ein durchkomponiertes Werk, aber das Desinteresse an der Musik anderer Mitwirkender ist oft erschreckend.


Die durch die Eitelkeit der Bühnensituation hervorgerufene Egozentrik sehe ich als ein allgemeines Problem dieser exponierten Kunstgattung - schon aus den früheren Jahrhunderten sind Beschreibungen von Starkult und Eifersucht ganz analog zu gegenwärtigen Erfahrungen zu finden.

 

Die gegenwärtige Veränderung des Opernbetriebes bewirkt das Verschwinden von festen  Opernensembles (außer in sehr großen Häusern), statt dessen bilden Agenturen Gruppierungen von Sänger_innen.

Die Projektplanung sieht nach der Suche und Auswahl der Mitwirkenden eine gemeinsame Einstudierung vor.
Die Reihung der aktuellen Projekte erfolgt zunächst nach den Gegebenheiten, sobald sich eine Mehrheit für ein Stück entscheidet, bzw. sobald genügend Mitwirkende für ein bestimmtes Stück vorhanden sind, kann die Arbeit beginnen. 
Bei einem gemeinsamen Termin entsteht auch eine Gruppendynamik, die die Motivation der Mitglieder verstärkt. 

Nicht alle Opern sind für diese Gemeinschaftsarbeit geeignet - zu große Unterschiede zwischen großen und kleinen Partien sollen vermieden werden. Daher wird versucht, kleinere Rollen aufzuwerten und zu vergrößern, um Hierarchien zu vermeiden.

Traditionell haben in der Theaterarbeit die kleinen Rollen auch eine pädagogische Funktion, wer das Selbstbewußtsein auf der Bühne aufbauen möchte und sich größere Aufgaben nicht zutraut, gibt sich mit kurzen Auftritten zufrieden. (Extremfälle wie "La cena e pronta" in Traviata würde ich vermeiden...)


Langfristige Projekte

Verdi

Seit 2019 besteht die Idee, sämtliche Verdi Opern zu erarbeiten, um einen Überblick über das enorme Schaffen und die Gesangskunst dieses Komponisten zu bekommen.



Schreker

Zemlinski

Braunfels

Im Zuge der Aufarbeitung der Musik des 20.Jahrhunderts muß ein Ausgleich erzielt werden zwischen vernachlässigten und z.T: unterdrückten Komponisten und jenen, die sich in den Verdergrund spielen konnten.
Berühmtheit ist leider nicht immer in der Qualität der Kunst begründet, sondern in politischer Einflußnahme und geschicktem Nepotismus.

Massenet

Die in Österreich sträflich vernachlässigte französische Oper soll ein wenig Verbreitung finden und ins Bewußtsein des Publikums rücken.
 


Mascagni

Werke abseits des Standardrepertoire zu finden, ist immer eine lohnende Aufgabe.
Im Zweifelsfall war es für die Beteiligten eine gute Blattleseübung.


Moderne Oper

Die Erarbeitung zeitgenössischer Opern ist ebenfalls ein wichtiges Thema. 
Schwerpunkte sind hier Basisfähigkeiten wie rhythmische Komplexität oder gesangliche Bedingungen sowie ein kreativer und kritischer Umgang mit dem Notenbild.
Das Hauptziel könnte man souveräner Umgang mit dem Material nennen bzw.  Vermeidung von Unklarheiten und Unsicherheiten.

Dennoch ist es wichtig, über die reine Exekution des Notentextes auch hinauszugehen.

Die Probenarbeit unterscheidet sich jedoch klar von der im konventionellen Repertoire.